Keine Frage: Die Steine von ersten Mai trafen die Falschen, und ich
halte es sowieso für falsch, seiner Meinung durch sinnlose
Gewaltausbrüche Luft zu machen.
Aber andererseits tut der Staat und die Polizei auch alles dafür,
dass der normale Bürger sich entmündigt und frustriert
fühlen muss. Wo sind denn die Gremien, in denen der normale
Bürger auf direktem Weg seinem Unmut Luft machen kann? Wie kann
man denn einem Stadtrat, einem Bürgermeister oder einem
Polzeipräsidenten die eigene Meinung nahebringen? Das klappt ja
noch nicht einmal mit dem netten Polizeibeamten von nebenan.
Ich kenne privat so einige Polizisten, und ich kann nur sagen, dass
diese Menschen überhaupt in den Dienst der Polizei treten durften,
erschreckt mich zutiefst.
Null Toleranz gegenüber dem Normalbürger, elitäres
Kollegengeklüngel, sichtbarer Genuß bei Ausübung der
vom Staat verliehenen “Macht”… und die (vermutlich im
langen Berufsleben erlernten) Abwehrsprüche wie “wir
Polizisten sind doch immer die dummen für die Bürger”
oder “es gibt keine blöde Ausrede, die ich in meiner
Dienstzeit noch nicht gehört habe” sind ausnahmslos allen von
denen gemein.
Wer hat denn in den letzten Jahren einmal einen freundlichen und
hilfsbereiten Polizisten getroffen? Ich meine nicht beim belanglosen
Smalltalk an der Straßenecke, sondern einen Polizisten, der auch
dann noch freundlich und hilfsbereit war, als man etwas von ihm wollte,
das Arbeit verursachte.
Die Einsicht, dass alle Bürger unmündig, potentiell kriminell
und sowieso undankbar sind, scheint fast schon zur Gehirnwäsche in
Beamtenkreisen verkommen zu sein.
Das hatte bisher mit dem Thema “Erster Mai” noch nicht
allzuviel zu tun, zugegeben. Aber woher kommt denn dieser mangelde
Respekt und die angestaute Aggression gegenüber unseren
Ordnungsorganen? Eine Polizei, zu der man als Bürger wirklich
aufsehen könnte, eine Politik, die dem Bürger
verständlich und nachvollziehbar erscheint, ein von Vernunft und
Respekt geprägter gegenseitiger Umgang zwischen Bevölkerung
und Staat, das sind die Grundbedingungen, die erfüllt sein
müssen, um solche Auschreitungen zu verhindern. Ein
öffentliches Forum, dme auch von Politikerseite Beachtung
geschenkt wird, wäre eine weitere wichtige Voraussetzung für
einen funktionierenden Dialog zwischen Volk und Staat.
Zugegeben: Es wird immer Aggressoren geben, denen man auch mit diesen
Mitteln nicht Herr wird. Aber das ist dann wirklich nur noch der harte
Kern einer autonomen Szene, der Steine wirft, weil er Steine werfen
möchte. “Saisonsteinewerfer” würden sich dann
bestimmt zweimal überlegen, ob es der vor ihm stehende Polizist
wirklich verdient hat, mit zum Teil schweren Verletzungen ins
Krankenhaus eingeliefert zu werden.
Ach ja… Die Polizei ist im übrigen auch nicht viel
wählerischer bei der Entscheidung, welchem Bürger sie Gewalt
zukommen lässt und welche Bürger verschont werden. Die
bloße Anwesenheit am Krisenherd scheint für den
Großteil der Staatsmacht bereits Beweis genug für eine
gesunde Portion Schläge zu sein. Da muss man sich dann wirklich
nicht mehr wundern, wenn auch bis dato unbescholtene Bürger zu
etwas mehr als nur verbalen Kommunikationsmitteln greifen.
Denn warum sollten unmündige und potentiell kriminelle Bürger
verantwortungsbewußter Handeln, als ein gut und durchdacht
ausgebildeter Polizeiapparat?